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„Das
Dienstleistungs-Gen in mir“ Interview mit Jürgen von der Lippe von Dr. med. Jürgen Budde Lachen ist gesund. Das sagt schon eine alte Volksweisheit. Die Medizin weiß mittlerweile dass es wie kein Medikament entspannend wirkt, Stress abbaut, glücklich macht und sogar die Immunabwehr stärkt. Noch besser ist es, Spaß zusammen mit Freunden zu haben, indem man nicht nur miteinander lacht, sondern seine Zeit mit Freunden im Spiel oder sonstigen gemeinsamen Sinneserlebnissen, wie Kochen und Essen verbringt. Gute Chancen auf ein kleines Stückchen psychischer Gesundheit. Wie kein anderer steht hierfür Jürgen von der Lippe. Der Entertainer und Moderator scheint die Sparte Humor und Spielespass anzuführen. Nach 1994 wird er in diesem Jahr erneut für seine aktuelle Spiele-Show „Extreme Activity“ mit dem Grimme-Preis geehrt. Er genießt es, auch privat mit Freunden zu spielen, zu kochen und zu essen. Grund genug mit ihm darüber zu reden. |
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Budde: Spaß beiseite! Wie ist es um den Humor der Deutschen bestellt. Dieter Hallervorden hat angeblich einmal gesagt, „Deutscher Humor ist ein echter Schlankmacher: Man muss meilenweit laufen, bis man ihn trifft“. Von der Lippe: Ich vermute, dass Dieter diesen Satz um der sanften Pointe Willen gesagt hat. Ich halte das für eine unglückliche Äußerung. Das hieße ja, dass wir nicht dazu fähig wären humoristische Erzeugnisse herzustellen, was Quatsch ist. Budde: „Wer sich krank lacht lebt besonders gesund“ (P. Jamin). Was glauben Sie, ist Humor ein Schritt zum Glück und macht damit ein Stück gesunder? Von der Lippe: Ein Schritt zum Glück auf jeden Fall. Die Frage zielt ja wohl darauf, ob lachen therapeutisch gesund ist und es sieht ja wohl so aus, als ob das stimmt. Siehe Krankenhausclowns, siehe Untersuchungen, die gezeigt haben, dass komische Filme den Schmerzmittelbedarf herabsetzen können. Ich weiß allerdings nicht, ob die Berufshumoristen glücklich und gesunder sind, da wir ja oft zwei Seiten haben. Da gibt es eine Anekdote über Grog, der ja bekanntlich depressiv und damit in der Schweiz bei einem Psychiater war, der ihn dann nicht erkannte und ihm empfahl, einmal eine Vorstellung des großen Clowns Grog zu besuchen. Budde: In Ihrem mit Ingo Oschmann gerade veröffentlichten Buch „Schönen Abend!“ propagieren Sie, Spaß zusammen mit Freunden zu haben. Sie geben dem humorvollen Gastgeber eine Anleitung zum kochen, zaubern und spielen. Wie wichtig ist dieses Miteinander mit Freunden für die psychische Gesundheit? Von der Lippe: Für den Normalmenschen ist das glaub ich sehr wichtig. Wir wissen und da gibt es eine Untersuchung, dass der Freundeskreis wichtiger ist als die Familie. Budde: Und für Sie persönlich? Von der Lippe: Ich nehme das in erster Linie, um meine Frau zu bewegen, mich mit meinen Kumpels rumziehn zu lassen. Man muss , wenn man so eine Untersuchung liest, ja auch immer gucken, wie man sie nützlich verwenden kann. Budde: Aber wie können sie den Kontakt zu Ihren Freunden halten? Sie sind doch ständig unterwegs? Von der Lippe: Natürlich ist es so, dass jemand wie ich, der nicht sesshaft ist, auf einen Freundeskreis angewiesen ist, bei dem diese Bande nicht jede Woche erneuert werden müssen. Ich habe eben Freunde, die ich seit 30, 40 Jahren kenne und die wissen genau, wenn ich da bin melde ich mich und wenn ich mich nicht melde, bin halt nicht da. Ob man sich jetzt drei Monate nicht sieht, oder vier Monate nicht, das ändert nichts an diesen Banden. Budde: Sie kochen und essen gern mit Freunden. Dies wird heute gern als Lifestyle gesehen. Was bringt Ihnen das? Von der Lippe: Es ist mir angeboren, dass es mir Spaß macht, Menschen zu bewirten. Ich trage das Dienstleistungs-Gen in mir: Meine Mutter war Köchin und mein Vater war Barkeeper. Und dafür zu sorgen, dass andere sich wohl fühlen, das mach in meinem Beruf ja eigentlich auch. Budde: Was kochen und essen Sie am liebsten? Von der Lippe: Diese Frage ist unzulässig. Das hängt von verschiedenen Faktoren ab: Was man lange nicht mehr gegessen hat, von seinen Leibspeisen u. s. w. Ich muss in regelmäßigen Abständen Pasta und Pizza essen. Aller paar Monate krieg ich mal Heißhunger auf rotes Fleisch, aber nicht öfter. Und ich muss dann auch zwei, drei mal im Jahr unbedingt Tartar essen nach dem Rezept von Henry Nannen angemacht, der anders als andere auch einen Schuss Ketchup verwendete neben den üblichen Zutaten Budde: Der Deutschen liebstes Spiel ist „Mensch ärgere Dich nicht“. Was macht Sie da an? Von der Lippe: Wir pokern im Moment auf der Tour mit der Crew und zwar auf Texas hold’ em. Das ist eine Variante, die mir plötzlich unheimlich Spaß macht. Ich spiele furchtbar gern Doppelkopf. Ich spiele leidenschaftlich gern Schach, obwohl ich ein herzlich schlechter Spieler bin. Budde: Kann man lernen humorvoll zu werden? Haben Sie da einen Tipp? Von der Lippe: Man kann aus einem furztrockenen Menschen genauso wenig einen humorvollen machen wie man aus einem adipösen Menschen, der vielleicht im Sumo-Ringen gut aufgehoben wäre, keinen Sprinter machen kann. |
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